Category Archives: Tadschikistan

Zurück nach Kirgisistan

Vorgestern morgen haben wir uns auf den Weg zurück nach Kirgisistan gemacht. Ich muss zugeben, dass ich schon etwas nervös war, weil wir kein usbekisches Visum geholt haben, auf dem Weg nach Osh aber mehrere usbekische Enklaven liegen. Hinzu kam, dass weder auf der Karte, noch im OsmAnd eine Strasse drum herum eingezeichnet war.
Der Grenzübertritt war sehr einfach. Weder bei den Tadschiken, noch bei den Kirgisen gab es Probleme – ausser natürlich die üblichen Sprachschwierigkeiten.
Einige Kilometer nach Batkien standen wir dann im Militärstützpunkt der Kirgisen und wurden nicht mehr weiter gelassen. Ich hoffte ja, dass es da eine Strasse um die Enklave herum geben würde. Leider nein. So mussten wir wieder zurück. Der Obermilitärfutzi hat mir aber den Weg beschrieben. Wir sollten nach Rishton/Usbekistan fahren und da gäbe es eine kleine Strasse die unten vorbei führe. Also zurück. Blöderweise standen wir so 30km weiter schon wieder an der Grenze. Also nochmal wenden. Kaum waren wir aus dem Militärposten draussen hat uns ein Polizist mit der Trillerpfeife angehalten. Wir waren ja schon fast etwas genervt, aber der war voll nett. Wir waren nämlich an der Umfahrung der Grenze schon vorbei gefahren. Kaum waren wir auf der richtigen Strasse, war der Rest kein grosses Problem mehr. Die Kirgisen bauen jetzt halt, nachdem die Usbeken einen Teil der Strasse für sich beanspruchen, eine neue Strasse.
Die Nacht haben wir irgendwo unterwegs hinter ein paar Hügeln verbracht. Und es war warm. Voll schön. Ohne frieren in den Schlafsack krabbeln.
Gestern haben wir dann den Rest bis Osh gemacht.
Heute war Ruhetag. Das Hotel wo wir sind ist einfach, dafür billig. Zum Frühstück sind wir in ein schönes Cafe und haben Pfannkuchen gegessen. Ein bisschen hart, aber mal wieder was „normales“. Dann auf den Markt, die Vorräte aufgestockt und in eine Pizzeria zum Mittagessen. Hmm, Pizza. Richtige, gute Pizza!

Nochmal in die Berge

Vorgestern sind wir nochmal mit dem Zelt auf eine kleine Tour in die Berge. 3h steiler aufstieg und schon waren wir an dem klaren See unterhalb einer gewaltigen Nordwand. Beeindruckend. Um uns rum war eine Hügellandschaft mit vereinzelten Bäumchen und Büschen. Nett.
Zwei mal ist aus der Wand ein Stück vom Gletscher abgebrochen und mit Getöse ins Tal gestürzt.
Obwohl auf knappen 3000m, war es recht „warm“. So konnten wir gut schlafen und mussten nicht frieren.
Gestern war dann wieder ein harter Tag. Nach dem Frühstück sind wir wieder unter zum Auto und dann weiter Richtung Isfarashan gefahren. Man, das war wieder so eine Strecke. Erstmal wieder 4h Feldweg zurück zur Hauptstrasse. Kurz nach Khushikat geht es dann hinauf auf einen Pass. Die Strasse da hoch ist zwar in sehr gutem Zustand, spannend ist es trotzdem. Von unten sahen wir, weit oben, einen weissen Kasten im Hang liegen. Der Blick mit dem Fernglas bestätigte – ein LKW. Die Strasse wand sich in engen Serpentinen den sehr steilen Berg hoch. Binnen weniger Kilometer sind wir gute 1000m nach oben gestiegen. Der Berghang hat halt keine Stufen oder so zwischendrin. Da geht’s einfach gerade hoch, bzw. oben, gerade runter. Das fühlt sich unangenehm an. Wir dachten ja, der LKW-Fahrer hatte eine Armee von Schutzengeln dabei, weil der LKW nicht den ganzen Berg runter gerollt war. Aber als wir da waren, lag oben an der Strasse so ein Metallknäuel. Das war wohl mal das Führerhaus gewesen. Katrin hatte schon vorher mit beten begonnen – nicht für den LKW-Fahrer, sondern für sich.
Ein paar hundert Meter weiter lagen dann ein paar Steine auf der Strasse. Steinschlag. Ich witzelte noch. Katrin fand das gar nicht lustig. Nochmal ein paar hundert Meter weiter lag ein grosser Brocken mitten auf der Strasse. Daneben stand ein Auto am Strassenrand. Dem ist der Brocken beim Fahren auf Auto gefallen. Der hatte aber Glück. Denn der Stein hat genau zwischen Licht und Kühler eingeschlagen. Nur die Motorhaube war kaputt, aber die halt richtig. Totalschaden. Sah ein bisschen aus, als wäre auf einen Baum gefahren.
Zwischenzeitlich war es Nacht geworden. Mein gutes OsmAnd hat in Istaravshan leider kein Hotel eingetragen und der Lonley Planet wusste (wie so oft) auch keinen Rat. Also haben wir an so einer Truckerbude gehalten und dort geschlafen. Das Ding hatte etwas „From dusk till dawn“.
Heute haben wir uns Istraravshan angesehen. Oh man. Als gemäss Lonley Planet soll das nicht mal so übel sein. Ich weiss nicht, ob von denen jemals einer hier war.
Jetzt sind wir in Khujand in nem alten russischen Hotel. Aufgrund mangelder alternativen haben wir ein bisschen ein besseres Hotel genommen. „Leider“ hatten die nur noch Lux-Zimmer. Wobei Zimmer etwas untertrieben ist. Das war mehr eine Suite. Also eine kleine Wohnung. 2 Besprechungszimmer mit Sessel und Sofa, Schlafzimmer, klar, Gang und Gästeklo. Und das beste, Katrin hat das noch runtergehandelt (50 USD), als dass es genau so viel kostete wie in dem anderen Hotel ein normales muffeliges Zimmer.
Wir kommen grade vom Essen. Sehr sehr gutes Essen. Das beste in Tadschikistan und wohl das Beste seit 2 Monaten.

Eine harte Woche

Nachdem wir ja nochmal nach Khorog zurück mussten um die Karte zu holen sind wir dann halt einen Tag später ins Bartang Tal gefahren. Die letzten 15 km bis Khijez waren teilweise Spannend. Der Bartang ist echt breit und neben der schmalen Kiesstrasse ging es halt doch manchmal gut runter. Zu unserer Überraschung führte eine Brücke über den Fluss und ein Strässchen weiter in Tal Richtung Ravmed. Nach dem Dörfchen haben wir neben der Strasse geparkt und geschlafen.
Am nächsten Tag beschlossen wir doch nicht ins Tal zu laufen, sondern mal zu kucken wie weit wir mit dem Auto kommen würden. Sooo schön war es dort nämlich nicht. Ausserdem ist Katrin immer gleich fertig, wenn irgendwo eine Strasse ist. Das war eine gute Entscheidung. Denn so konnten wir die 15km bis Ravmed. hochfahren und von dort dann laufen. Dort war es um Welten schöner. Ein nettes kleines Dörfchen, nur noch Fusswege und eine schöne Landschaft. Gegessen haben wir mit Blick auf einen beeindruckenden 6000er.
Am nächsten Tag sind wir dann zurück ins Bartang Tal gefahren und weiter Richtung Dushanbe. Man, das war eine scheiss Strecke. Am Ende des Tages, nach 10 harten Stunden im Auto hatten wir gerade mal 230km zurück gelegt.
Am Sonntag morgen sind wir um 7 Uhr weiter gefahren. Wir mussten ja für die Wahlparty am Abend in Dushanbe sein. Karin hatte irgendwo gelesen, dass die südliche Strecke, weiter entlang der afghanischen Grenze, zwar länger, aber besser zu fahren sein. Sicherheitshalber haben wir nochmal nen Polizisten gefragt und der hatte das bestätigt. Das erste Mal seit 6 Wochen waren wir wieder auf einer Strasse die den Namen auch verdient. Herrlich!
Kurz vor Dushanbe, ab in die Waschanlage. Dort muss das Auto nämlich vom Gesetz her sauber sein. Aber kaum waren wir in der Stadt kam ich mit diesem schon in Konflikt. Ich habe auf einer komplett unbefahrenen Strasse gewendet. Kein Mittelstrich oder so. Schon hat mir der Polizist gewunken. Ich hab ihm dann die Papiere gegeben und mich, wie immer, sehr sehr blöd angestellt. Katrin musste ja schon fast lachen. Selbst das „Money-Money-Zeichen“ habe ich geschickt übersehen/-gangen. Am Ende war der Polizist glaub auch hilflos und hat gesagt, dass es OK ist, weil ich ja Gast in Dushanbe bin.
Ein paar hundert Meter weiter, Katrin wollte noch was für die Party kaufen, war wieder eine Polizeikontrolle. Das war eine grosse Strasse und ich nicht Sicher ob ich da halten durfte. Also bin ich einfach zu den Polizisten hin gefahren und habe die gefragt. Der meinte dann, dass ich da nicht Parken könne, aber Katrin soll mal einkaufen gehen. Der Polizist hat sich dann mit mir unterhalten, bis sie wieder da war. Die Polizei von Dushanbe ist echt voll nett!
Nach einer langen Odysee durch die Stadt sind wir dann halt doch in das vom Lonley Planet empfohlene Guesthouse gefahren. Bis wir (unter dem Rinnsal) geduscht hatten war es schon 8 Uhr. Der vom Hotel hat uns ein Taxi besorgt, das uns die 8km zur Deutschen Botschaft gebracht hat.
In der Botschaft wollten die nicht mal unsere Pässe sehen. Der Name hat genügt und schon waren wir drin. Da es aber schon 9Uhr war, waren die ganzen Tischlein, an denen es Häppchen gab schon besetzt. Schön blöd. Wenigstens gab es Bier und Wein. Ein paar Käsebrote haben wir dann aber doch noch bekommen. Wir waren aber beide zu müde um uns richtig unter die Gäste zu mischen. Die kannten sich alle und dann ist es doppelt blöd. Was schade ist, dass wir jetzt immer noch nicht wissen, warum die Menschen hier so leben, wie sie leben. Vor allem die Frage mit dem Essen wäre spannend gewesen. Es ist uns einfach unverständlich, warum die hier nur von Kartoffel mit Makaroni leben, wo es doch auf dem Markt genügend andere Sachen gibt. Also selbst die die Restaurants beschränken sich auf die übichen 4 Klassiker.
Am Montag haben wir uns dann erst mal ein anderes Hotel gesucht. Wir waren uns einig, dass kanppe 40USD für das Gebotene einfach zu viel waren. Die Odysee ging weiter. Plötzlich sah Katrin ein Schild zum Hotel Twins. Sie hatte wohl irgendwo gelesen, dass das ein guter Deal sei. Gut, 100USD sind jetzt kein Schnäppchen, aber für das Gebotene mehr als in Ordnung. Wir waren müde und fertig. Also haben eingecheckt und sind mal in die Stadt was Essen.
Am Dienstag haben wir dem ortlichen Hyundai-Händler bzw. dem Service einen Besuch abgestattet. Der Mechaniker war echt gut. Nach 2 min fahren hatte der Fehler gefunden: Meine Bremse wackelt. Sei wohl nicht schlimm, aber man sollte es mal irgendwann machen. Die hatten das Teil natürlich nicht da.
Am Mittwoch sind wir zum Autobasar. Nach eine weile Suchen und rumfragen, hatten wir einen Typen gefunden der das Teil hatte – aber leider die falsche Seite. Die Hyundai-Fritzen meinten davor, man könne das Problem auch so etwas flicken. Also Katrin bei nem Cafe abgesetzt und wieder hin. Das flicken hat nicht wirklich funktioniert. Jetzt weiss ich was es ist. Ich wollte dem Mechaniker ja noch was anderes zeigen, aber der meinte dann, ich solle es einfach in Almaty machen lassen, weil er die Teile ja eh nicht (rechtzeitig) besorgen könne. Ja, so ist das halt hier.
Gestern sind wir Dushanbe gen Norden verlassen. Die Strasse war recht gut. Was ich da noch nicht wusste: Das war die Strasse mit dem berüchtigen Tunnel des Todes! Davon hatte mir schon einige erzählt. Vor allem für Radfahrer sei der ein No-Go. Da kann man wohl eine Kohlenmonoxidvergiftung bekommen. Das Problem träfe aber auch Autofahrer, wenn es im Tunnel einen Unfall gibt.
Jetzt wo ich durch bin kann ich mir all diese Horrorgeschichten gut vorstellen. Im ganzen 6km langen Tunnel gibt es kein Licht und keine Belüftung. Die Luft ist schwarz von den Abgasen der LKW. Es gibt keinen bzw. nur sehr schlechten Strassenbelag. Immer wieder hängen die Eisen der Armierung aus dem Belag. Es gibt riesige und tiefe Schlaglöcher, in denen sich das Wasser sammelt, das von der Decke tropft. Und weil das alles nicht reicht und die Tadschiken ja eh nicht autofahren können, überholen manche da drin sogar noch. Es ist echt gruselig da drin. Das einzig gute ist, dass ich durch die Geschichten gleich alle Lüftungen aus und zu gemacht hab. Damit hat es wenigstens bei uns im Auto nicht gestunken.
Heute sind wir weiter bis zum Alplager bei Artuch gefahren. Das hat zu. Wir sind dann einen Feldweg (noch schlechter als die Strasse hier her) weiter gefahren um einen guten Schlafplatz zu finden. Leider wurde der Weg nach wenigen Metern so schlecht, dass ich nicht mehr weiter fahren wollte. Noch ein paar Meter weiter wäre eine schöne Stelle um zu schlafen gewesen. Ich war zwar sehr skeptisch ob ich da runter kommen würde, aber Katrin war so – ach komm. Ganz unmöglich schien es mir nicht. Untersetzung rein, versuchen kann man es ja mal. Erster Versuch – gerade runter. Ging nicht. Da stand ich vorne mit der Stossstange an. Also zurück und etwas schräger, aber das ging auch nicht. Als ich dann schon aufgegeben hatte, wollte ich es doch nochmal wissen. Ganz schräg rein. Bloss als dann das linke Hinterrad in der Luft hing ging gar nix mehr. Nicht mehr vorwärts, nicht mehr rückwärts. Scheeeiiissse! Also mal ausgestiegen und gekuckt. Hilft ja alles nix. Vollgas rückwärts – und schwup war ich wieder oben. Mein Kleiner ist halt schon der beste.
Jetzt sind wir halt auf einer Wiese. Nicht ganz so bezaubernd, aber wir hatten schon schlechtere Schlafplätze.
Ja, aber wo ich gerade bei meinem Kleinen bin. Ich weiss nicht was ich mit ihm machen soll. Einerseits ist er mir in den letzten 4,5 Monaten sehr ans Herz gewachsen (mein erstes Auto zu dem ich Gefühle entwickelt habe), andererseits, was mache ich mit so nem grossen Auto in der Schweiz? Klar, super um zum Skifahren fahren oder mal zum Campen. Aber lohnt es sich dafür zwei Autos zu haben? Und um ihn als einzigen zu haben, dafür ist er mit seinen 12l schon relativ durstig. Da werde ich wohl noch ein paar schlaflose Nächte haben.

Blöde Registrierung

Heute Morgen sind wir als erstes mal zur Bank um die Registrierungsgebühren zu zahlen. Die von dem Büro hatte gesagt, die in der Bank würden bescheid wissen. Nur gab es zwei Optionen und wir wussten nicht welche. Katrin ist dann immer gleich auf 180. Aber wir sind hier halt mal nicht in der Schweiz.
Zurück in dem Büro wurde uns dann aber mitgeteilt, dass wir unsere Pässe erst um 14.00 Uhr wieder abholen können. Blöd!
Jetzt haben wir so ein kleines Zeitproblem. Einerseits würden wir noch gerne das Bartang Tal nach hinten fahren und etwas wandern, andererseits habe ich uns zur Wahlparty am Sonntag in der deutschen Botschaft angemeldet. Nach Wochen der Einsamkeit ist mir das grade ein Bedürfnis.

Und Khorog zum Dritten

Gestern waren wir eigentlich auf dem Weg ins Bartang Tal. Leider, oder viel mehr Gott sei Dank, ist Katrin so nach etwa 30km eingefallen, dass die Karte noch im Hotel war. Blöd, also umdrehen. Das Gute war, dass bis dahin Katrin gefahren war und wir in der Stunde nur 30km weit gekommen waren.
Ich bin dann in der halben Zeit zurück gefahren ;-). Ich weiss nicht ob es sich nur so anfühlt, aber ich habe das Gefühl, dass wenn ich fahre es weniger hoppelt.
Kurz vor Khorog hat mich dann ein Polizist raus gewunken. Der hatte ne Radarpistole in der Hand… Er meinte ich sei 65km/h gefahren. Mit einem netten Lächeln konnte ich ihn aber davon überzeugen, dass ich nur 50 gefahren bin. Ihm war wohl nicht so viel daran gelegen mich zu bestrafen. Jedenfalls hat er mich einfach so ohne grosses Trara wieder gehen lassen. Da hatte ich mal wieder mehr Glück als Verstand.
Zurück in Khorog haben wir erst mal unsere Karte im Hotel abgeholt und sind dann weiter zur Registration. Das ist nach 30 Tagen fällig uns so viel Zeit bleibt nicht mehr. Leider hatte die Bank schon zu. Daher haben wir beschlossen nun doch noch eine Nacht in Khorog zu bleiben.