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Bin ich jetzt in Europa?

Gestern morgen bin ich in Aktobe los. Erstmal vollgetankt. Nach 120km nochmal und nach weiteren gut 100km wieder. Ich wollte vermeiden, dass mir in der Einsamkeit das Benzin ausgeht.
Die ersten 250km waren wesentlich besser als ich das erwartet hatte. Aber dann kam’s halt doch noch anders. Quadratmeter grosse Schlaglöcher. Ich meine – wo fährt man, wenn zwei jeweils gut 2m im durchmesser grosse Schlaglöcher, 40-50cm tief, auf einer 6m breiten Strasse sind nebeneinander liegen? Die folgenden 250km bin ich dann meist neben der Strasse auf der Piste durch die Wüste gebrettert. Teilweise war es da echt super zu fahren, teilweise aber halt auch total beschissen. Der ein oder andere Aufsetzer lies sich nicht vermeiden. Die letzten 100km bis Atyrau waren dann wieder ok.
Die Nacht habe ich auf freiem Feld verbracht. Die Weite hier ist einfach unglaublich. 360° freie Sicht zum Horizont. Die nächtlichen Temperaturen waren durch den Südwind ertäglich.
Heute morgen habe ich dann Rest bis Atyrau gemacht. Ursprünglich wollte ich noch ein Stück weiter fahren und draussen schlafen, aber meine Erkältung macht mir zu schaffen. Ich habe üblen Schnupfen und glaub auch fieber. Darum bin ich jetzt im Hotel.
Vorher musste ich die Reste der Bodewanne abmontieren. Die war eh nur noch notdürftig befestigt. Aber jetzt hing sie halt nur noch an einer Schraube und einem Stück rostigen draht und fast bis auf den Boden runter. Die Stossstange hinten sitzt auch nicht mehr so wie sie gehört. Gut dass ich hinten auch so nen Kuhfänger hab. Sonst wäre sie glaub ganz abgerissen… Bisher hält sich mein kleiner aber tapfer. Oh, da fällt mir ein – irgendwann als ich mal das Kühlwasser kontrolliert hatte, habe ich wohl vergessen den Deckel wieder drauf zu machen. Jetzt steckt halt ein Lumpen im Loch. Das wichtigste: Er läuft!
Egal, Spass hat’s gemacht. Das ist die Hauptsache!
Vorher bin ich über den Ural-Fluss gefahren. Damit sollte ich theoretisch wieder in Europa sein. Also wenigstens so lange bis ich den Kaukasus überqueren werde.

Läck isch des kalt

So, ich bin jetzt in Aktobe.
Gestern bin ich weiter nach Aralsk gefahren. Wenn ich schon in der Gegend bin, dann wollte ich mir doch noch den rest des Aralses ansehen.
Unterwegs kam ich am russischen Weltraumbahnhof Baikonur vorbei. Es war, selbst mit Fernglass nicht wirklich was zu sehen.
(Nachtrag: am 7.11. wurde morgens im Fernsehen live ein Start übertragen – schade)
Huiuiui, ist war das Kalt. Bis ich in dem verschlafenen Arlask ein Restaurant gefunden hatte, war ich total durchgefroren. Und im Hotelzimmer war es auch nicht wirklich warm.
Heute Morgen bin ich dann mit bösem Halsweh aufgewacht. Die Nacht in Turkistan war sicherlich auch nicht besonders förderlich. Naja, es ist November und da werde bin ich glaub jedes Jahr mal krank.
Nichts desto trotz bin ich in aller frühe zum Sonnenaufgang (8.45Uhr) zum ehemaligen Hafen gelaufen. Besonders viel ist da aber nicht mehr zu sehen. Zwei alte Hafenkräne und ein Museum mit drei alten Schiffen. Vom See war, ausser ein paar grösseren, gefrorenen Drecklachen nichts mehr zu sehen. Der Hafenanlage nach muss das Wasser aber schon mal so 5m hoch gewesen sein.
Die Fahrt zum Schiffsfriedhof habe ich mir dann erspart. Klar, wenn ich schon da bin; aber im Internet sagen sie, dass nur noch ein grosses und zwei kleine Schiffe da sind. Hinzu kommt, dass die zwei kleinen wohl zwischenzeitlich teilweise dem Alteisen zugeführt wurden. Dafür 4-5h rumkurven war es mir einfach nicht wert.
Statt dessen habe ich beschlossen die Fahrt fortzusetzen. Eigentlich wollte ich über die A26 direkt nach Kandyagash fahren. Als ich dort abgebogen bin, war nach wenigen hundert Metern klar, dass ich auf dieser Strasse das Tagesziel nicht erreichen würde. Also habe ich die 120km Umweg auf der super M32 in kauf genommen und bin nach Aktobe gefahren.
Niran habe ich zwischenzeitlich abgesetzt. Das ist zwar echt ein netter Typ, aber hier in dieser Weite, da mag ich alleine sein. Er wäre zwar gerne noch ein Stück weiter mit gekommen, aber als meditierender Inder kann er mich glaub verstehen.
Morgen geht es dann weiter nach Atyrau. Das sind kleinere Strassen, mal kucken wie ich da voran komme. Ich plane mal zwei Tage.

Der Heimweg ist angetreten

2.11.2013: Ich trete die Heimreise an.
Das erste Stück durch Almaty zog sich. Die Kasachen können einfach nicht Auto fahren. Denen fehlt einfach das Gespühr für den Verkehr. Jeder will der erste sein. D.h. sobald die Ampel grün wird fahren alle los. Auch wenn schon von vorn herein klar ist, dass es durch den Stau nicht weiter gehen kann. Schaltet dann die Ampel wieder um, dann stehen die einen halt noch auf der Strasse, die anderen fahren trotzdem los und suchen einen Weg dazwischen durch. Das gibt natürlich das Vollchaos. Andererseits kommt man sonst nicht weiter…
Der Inder aus dem Dorm hat gefragt ob ich ihn ein Stück mitnehmen würde. Bis Turkestan ist das ok. Dann mag ich aber alleine weiter fahren. So ist das. Schwups werden die Schweizer durch Inder ersetzt.
Auf den ersten 60km wurde ich drei mal von der Polizei kontrolliert. Wenigstens gab es nichts auszusetzen. Das vierte Mal war dann schön nicht mehr so lustig. Ich habe am Ortsausgang nicht recht aufgepasst und bin einfach denen vor mir hinterher gefahren. 72km/h in der Ortschaft. Erst wollten sie voll viel Staf haben. Aber ein Blick auf die Liste hat gezeigt, dass die mich abziehen wollten. Am Ende waren es 30USD. Mei.
Am Abend waren wir dann in Taraz und mich vom Navi zum erstbesten Hotel leiten lassen. Ich weiss nicht. Erst waren 100USD. Das war uns aber zu tuer. Nach einigem hin und her waren wir bei 30USD.
Da das Internet im Zimmer garnicht ging, haben wir es in der Lobby versucht. Bedingter erfolg. Aber sehr spannend. Prostituion ist offiziell verboten. Plötzlich stolzierten 8-10 heisse Schnittchen durch die Lobby. 5min später kamen sie wieder zurück. Also wahrscheinlich minus eine 😉
Gestern ging es dann weiter nach Turkestan. Das 5. Mal Polizei – überholen im Überholverbot. Das war gemein. Aber klar. Wenn der Strassenbelag sich samt der Linie abgelöst hat, dann heisst das nicht, dass das Überholverbot aufgehoben ist… Nochmal 30USD.
Als wir ankamen war es schon dunkel. Also kurz ein Zimmer gesucht und was essen. Als wir wieder kamen mussten wir feststellen, dass die Betten nicht bezogen waren. An der Rezeption haben sie uns noch leicht feuchte Bettwäsche gegeben. Super. Also selber Bett beziehen. Dabei haben wir festgestellt, dass es recht kalt im Zimmer war. Zurück zur Rezeption: Nein, die Heizung geht nicht. Harrr! Also habe ich mich in voller Montur, mit Kapuze, ins Bett gelegt. Ich hab schon besser geschlafen.
Heute morgen haben wir uns dann den grossen Tempel hier angesehen. Sehr ähnlich zu denen in Usbekistan.
Nachdem eine Ruine 40km ausserhalb der Stadt lag, habe ich Niran halt noch einen Tag länger bis Kyzylorda mitgenommen.
Die Kasachen sind echt lustig. Viel gibt es hier in der Steppe ja nicht zu sehen. Und für das was sie haben bauen sie dann keine Ausfahrt von der Autobahn. So 5km weiter war eine Brücke über einen Fluss oder doch eine Strasse? Egal. Ich also von der Strasse runter und dem Flussbett und dem darin laufenden Weg nach. Niran fand das glaub nicht so lustig wie ich. Die Ruine selbst war dann wenig spannend. Das war mal eine riesige Festung. Jetzt sind aber nur noch Lehmhaufen übrig.

Gelobt sei das Deutsche Konsulat in Almaty

Nachdem ich so gar nix ausrichten konnte, habe ich gestern noch etwas rumtelefoniert. Die ukrainische Botschaft war aber eben so wenig hilfbereit wie die Vertretung hier vor Ort.
In meiner Not habe ich beschlossen das deutsche Konsulat in Almaty anzurufen und die gefragt ob sie mir aus der Patsche helfen könnten. Weil ohne das Visum für Russland wäre ja der Rückweg abgeschnitten gewesen. Die Dame war sehr hilfsbereit. Nach etwas Kopfschütteln meinte sie würde mal versuchen was auszurichten.
Mehr konnte ich nun wirklich nicht mehr machen.
Heute morgen bekam ich ein Email im CC:

Dear Mrs. Consul,

please find attached the link to the ministry for foreign affairs of the Ukraine where you can find, that german nationals do not need a visa for a stay up to 90 days.
So I hope that you could now deal with the visaapplication of Mr Einstein who applied for transitvisa in your Consulate.

*http://mfa.gov.ua/en/consular-affairs/entering-ukraine/visa-requirements-for-foreigners
*
For further questions please do not hesitate to contact me.

Das stimmte mich positiv.
Als ich heute mittag dann wieder bei den Russen war, war alles kein Problem. Die Dame hat sich entschuldigt, dass sie ja auch nicht alles wissen könnte und mich gefragt wo ich denn nun hin will. Georgien, hab ich gesagt. Ein paar Minuten später klebte dann das Visa in meinem Pass 🙂
Auf dem Rückweg habe ich mir dann aber überlegt, dass es eigentlich geschickter, weil gut 2500km kürzer, gewesen wäre doch durch die Ukraine zu fahren. Egal, jetzt ist’s schon so und ich hoffe halt, dass wenn ich in gut 2 Wochen in der Türkei bin das Wetter dann auch noch so ist, dass ich vielleicht noch ein bisschen baden und am Strand rumfaulen kann.
Hauptsache ist, das Warten hat ein Ende! Jetzt muss bloss noch meiner Kleiner mit seinen wackelnden Bremsen und der angeschlagenen Zylinderkopfdichtung bis wenigstens in die Türkei durchhalten. Sind ja bloss mindestens 4300km…
Egal – morgen geht’s los!

Da wird der Hund in der Pfanne verrückt

Als ich vorgestern schrieb, dass alles scheisse läuft, war mir noch nicht klar, wie viel mehr noch scheisse laufen kann.
Gestern morgen, ein herrlicher sonniger Tag. Daher beschloss ich vor der langen Fahrt zur russischen Botschaft zu laufen. Als ich dann endlich dran war und mein Visa in Empfang nehmen wollte sagte mir die Dame, dass sie mir das Visa nicht geben könnte, weil ihre Kollegen wohl meinten, dass die russisch-georgische Grenze für Ausländer geschlossen sei… Ok, also kurz umdisponiert. Dannn würde ich halt über die Ukraine zurück fahren. Da ich aber halt auch kein Visa für die Ukraine im Pass habe sei nicht garantiert, dass ich Russland wieder verlassen könne. Das brauche ich eigentlich auch nicht, weil ich in die Ukraine einfach für 90 Tage ohne Visa einreisen kann. Das wollte die mir aber nicht glauben und gab mir den Auftrag das schriftlich zu beweisen. Ich solle zum ukrainischen Konsulat gehen und mir das bestätigen lassen. Super.
Ich also los ins nächste Internetkafe. Adresse gefunden, bei Google eingegeben und dann gesehen, dass die am anderen Ende der Stadt ist. Gut, hilft ja nix. Also zurück ins Hotel, Auto holen und los. Naja, es war ein aussichtsloses Unterfangen. 14km durch den Stadtverkehr und ich hatte nur noch 1,5h. Dort angekommen war von einem Konsulat aber weit und breit nix zu sehen. Scheisse.
Nachdem die Botschaft schon zu hatte bis ich wieder in der Nähe war, habe im Hotel nochmal gesucht. OpenStreetMaps scheint in manchen Teilen der Welt zuverlässiger zu sein als Google. Nachdem das Kind ja eh schon in den Brunnen gefallen war bin ich zu Fuss in die Strasse. Leider haben die hier nicht so viele Hausnummern, als dass ich in die falsche Richtung gelaufen bin. Und scheiss weit, also viel weiter als ich dachte, war es auch noch.
Während ich gestern noch relativ gut gelaunt war, war ich heute morgen dann doch etwas angepisst. Hilft nix. Also nochmal dahin. Wieder zu fuss. Ich hatte ja Zeit.
Im ukrainischen Konsulat haben sie mir aber gesagt, dass sie dafür nicht zuständig seien. Ich müsste zum Departement Justizia.
So langsam kam meine gute Laune wieder. Schnitzeljagd für grosse.
Gute 3km weiter war ich auch schon da. Die sagten aber, dass ich dafür zur Migration Police müsse. Da hatte ich dann noch ein kleines bisschen Glück. Eine Frau hat angeboten mich dort hin zu fahren.
Bei der Migration Police konnte aber natürlich keine English. Also hat der Herr Polizist seine Frau angerufen, die super Englisch konnte. Ende vom Lied war aber, dass die Migration Police da nix machen kann. Das muss das Konsulat machen. Ahhhh! Gut, das war ja schon vorher klar, aber was will man machen?
Zurück im Konsulat habe ich einen Typen gefunden der relativ gut englisch konnte. Er wollte mir helfen. Aber irgendwann stand dann wieder die Schönheit vom Morgen da und sagte, dass sie dafür keine Kompetenz hätte. Das Haus das Verrückte macht!
Nachdem ich heute 5h durch die Stadt gewandert bin, bin ich am Ende keinen Schritt weiter.
Jetzt werde ich morgen mal die deutsche Botschaft anrufen und fragen ob die mir helfen können. Meine Mittel scheinen ausgeschöpft.