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Grün – welch ungewohnte Farbe

Heute morgen kam ich an ein paar grünen Feldern vorbei – sehr ungewohnt. Das leuchtende Grün war sehr befremdlich. Grün! Das habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Wohltuend auf der einen, fast schmerzend surreal auf der anderen Seite.
Nach 4 weiteren Kontrollen bin ich nun an der georgischen Grenze. Trotz Tageslicht hatte ich nicht die angekündigten Probleme mit der Strassenpolizei. Vielleicht bessert sich das Korruptionsproblem ja hier langsam?
Nach der Durchquerung der Topkriesengebiete Dagestan, Tschetschenien, Ingusetien und Nord Ossetien, muss ich sagen: Sooo gefährlich wie die im Internet tun scheint das hier auch wieder nicht. Klar, es stehen Soldaten mit MGs rum, es fahren Militärpatrouillien mit Radpanzern rum um, es gibt so Bunker zum rausschiessen und an manchen (inländischen) Grenzposten muss ausnahmslos jeder den Kofferaum öffnen. Aber abgesehen von all den Sicherheitsmassnahmen scheint mir das, zumindest im Moment, recht entspannt. Andererseits, wie ich das hier gerade so schreibe, vielleicht ist der Begriff „War Zone“ doch nicht so daneben.
Nach einem kleinen Abstecher nach Vladikavkaz fuhr ich weiter zur Grenze. Soweit war zwar alles ok, aber der Stempel auf meiner kasachischen Zolldeklaration war nicht richtig lesbar und der Typ brauchte wohl diese Nummer. Nachdem ich mein Auto zwei mal umparken musste und gute 2h gewartet habe, kam dann der Obermatz und fragte den Typen wem denn dieser Hyundai gehöre. Während ich etwas unbeteiligt danebenstand wurde es etwas lauter und der Typ ist mit meiner Zolldeklation ab. Als er dann nach einer weiteren Ewigkeit wieder kam, schien das Problem soweit geklärt. Leider erfuhr ich dann auch, dass die Grenze um 7 schliesst und das war zwischenzeitlich überschritten. Manchmal muss ich mich über mich selbst wundern. Ich war null genervt. Nein, viel mehr amüsiert. Dem Zollfutzi war es eher etwas peinlich, aber er meinte ich könne hier im Auto schlafen. Das war für mich ok.
Als ich dann grade mein Abendessen kochen wollte, kamen ein paar LKW-Fahrer und fragten ob ich mein Auto wo anders hinstellen könnte, weil dort gern ein LKW parken wollte. Klar, ist ja kein Problem. Kaum war ich aus der Parklücke raus, kam ein anderer vom Zoll, hat meine Dokumente angesehen und gesagt, dass ich hier nicht schlafen darf. Blöder Arsch. Ich wäre lieber in der Grenze geblieben. Jetzt hoffe ich halt, dass der politische Vulkan nicht heute Nacht ausbricht und mich auch sonst niemand mit nimmt.

Durch die „War Zone“

Ui ui ui, gestern habe ich mich dann doch noch mal bei Wikitravel über Russland schlau gemacht. Also ehrlich, das hört sich nicht so lustig an. Vor allem weil ich ja quasi einmal quer durch den Nordkaukasus durch muss. Dass das auswärtige Amt vor Reisen in diese Region abrät ist eine Sache, aber da finden sich dann so mehr oder weniger lustige Warnungen wie:
WARNING: The North Caucasus remains extremely dangerous and is emphatically NOT safe for tourists. Certain regions – particularly Chechnya, Ingushetia and Dagestan – are considered war zones. Most governments advise against all travel to these regions. If you must go, please see War zone safety and the „Stay Safe“ section below.“ [http://wikitravel.org/en/Northern_Caucasus]
Oder:
„There is no doubt that car travel is the best way to see the country, but it is a risky enterprise which is recommended only for the brave and capable.“ [http://wikitravel.org/en/Russia]

Wenigstens bescheuert genug bin ich. Das hätte ich vielleicht doch mal vorher lesen sollen…
Auf Russland hatte ich mich halt wirklich nicht gut vorbereitet, weil ich doch nur kurz durchreisen wollte. Man darf beim Reisen halt wirklich einfach nicht schlampen. Mit nix.
Nachdem auf meinem Visa die Ausreise nach Georgien vermerkt ist, bleibt mir keine andere Wahl.
Heute morgen nach dem ausgiebigen Hotelfrühstück habe ich noch einen Spaziergang durch Astrakhan gemacht. So ein schönes Städtchen. Da stehen noch die ganzen alten Häuser aus den zwanziger Jahren mit ihren Erkern und schnörkeligen, gusseisernen Balkonen. Teilweise sind sie etwas runter gekommen, teilweise werden oder wurden sie aber auch schon wieder sehr gut her gerichtet. In Deutschland sieht man das kaum mehr. Da hat der Krieg das meiste kaputt gemacht und bei den Schweizern passiert es gerade durch die Spekulanten. Schöne grosse Kirchen haben sie auch. Kulturgüter gibt es in Zentralasien recht wenig. Um so mehr kann ich mich im Moment daran freuen. Hinzu kommt, dass die herbstliche Sonne alles in ihr wundervolles gelbliches Licht taucht. Die gelb-kahlen Bäume runden die Stimmung ab. Wirklich schön.
Die Strassen in Russland sind wirklich sehr gut. Nur etwa 150km Abkürzung führten auf einer Piste durch die Wüste. Die war aber nicht schlecht. Schön fest gefahrener Sand, keine Schlaglöcher und keine Längs- oder Querrinnen, etwas hügelig – schönes Offroadfahren.
Die OSM-Karten sind wirklich nicht schlecht. Google kennt in diesem Gebiet deutlich weniger Strassen.
Um 6 ist es hier schon stockdunkel. Das war zu früh zum schlafen. Also fuhr ich einfach weiter. Auf den einwandfreien Strassen hier war das kein Problem. Je länger ich in der Dunkelheit unterwegs war, um so mehr lernte ich die Vorzüge zu schätzen. Denn so wurde ich nur an den festen Checkpoints kontrolliert und die ganzen normalen Verkehrspolizisten, die einfach am Strassenrand lungern, die konnten ja mein Nummernschild nicht, oder erst zu spät sehen. Hehe. So blieb es bei „nur“ 5 Kontrollen. Alle ohne Beanstandungen oder dass ich hätte was zahlen müssen.
Als ich dann vorher müde wurde, habe ich abseits der Hauptstrasse einen Schlafplatz gesucht. Nicht so einfach. Jetzt stehe ich vor so einem Kieswerk oder so ähnlich. Dort arbeiten sie noch. Hab den Wachmann gefragt ob ich da stehen darf und er meinte das sei ok. Damit sollte ich einigermassen sicher sein. Dass ich einmal in Grozny/Tschetschenien übernachten würde… Das kenne ich nur von früher aus dem Fernsehen. Womit wir wieder bei der War Zone wären…

Russland

Als ich vor nem halben Jahr los aufgebrochen bin, hatte ich wirklich nicht geplant durch Russland bzw. den Kaukasus zu fahren.
Heute Morgen bin ich extra etwas früher aufgestanden, da ich mich auf längere Wartezeiten beim Grenzübertritt eingestellt hatte. Als ich so 25 km gefahren war, hatte ich einen Blick auf die gestern im Hotel ausgedruckte „grüne Karte“ geworfen, und musste feststellen, dass da wohl was mit dem Zeichensatz kaputt war. Hätte ich mir das nur mal gestern angesehen. Also umdrehen, zurück fahren und neu ausdrucken. Ein Internetcafe war leider nirgends zu sehen. Dafür das Renaissance-Hotel. Erst wollte ich die nach dem Weg zum Internetcafe fragen, aber dann kam mir die Idee, dass die das auch für mich drucken könnten. Klar, meinte der nette Herr an der Rezeption. Und gratis war’s auch noch.
Die 350km zur Grenze waren dann wieder recht mühsam. Nichts ist schlimmer als schlechte geteerte Strassen. Die Schlaglöcher hauen voll rein.
An der kasachischen Grenze war ich in 10min durch. Unglaublich! Bei der Ausreise nach Usbekistan musste ich das halbe Auto ausladen und alles hat ewig gedauert. Aber vielleicht liegt das auch an der Zollunion die die beiden haben?
Ein paar hundert Meter weiter kam dann ein russisches Grenzhäuschen. Dort haben sie mein Auto kurz gefilzt und mir ein Zettelchen gegeben. Das sollte ich, so wie ich verstanden hatte, weiter vorne abgeben. Gut. So nach 5km landstrasse wurde ich aber doch skeptisch. Ich wollte ja nicht versehentlich nach Russland ohne meine Stempelchen einreisen. Ein paar Kilometer weiter kam dann glücklicherweise doch noch die „richtige“ Grenze. Da war eine lange Schlange an Autos. Es hat 1.5h gedauert bis ich endlich dran war. Einmal drin ging’s aber ganz schnell. 10min später hatte ich meinen Stempel und war raus.
Gleich hinter der Grenze stand die Polizei. Bei denen hab ich gleich mal angehalten und gefragt wie es denn hier mit den Geschwindigkeiten aussieht. Nachdem ich 4000km durch Kasachstan gefahren war ohne genau zu wissen wie schnell man fahren darf, sind 2 Knöllchen nicht schlecht. Wenn ich mir das so überlege – eigentlich bin ich seit Juni mit geschätzten Geschwindigkeitgrezen unterwegs. So 100% genau kann ich echt für kein Land sagen wie schnell man da fahren darf.
Auf dem Weg nach Astrakhan führte die Strasse durch sehr hübsche kleine Dörfchen. Die Häuser sehen wirklich so aus, wie man das in alten russischen Filmen sieht. Kleine Holzhäuschen mit Fensterläden. Viele Häuser sind farbig gestrichen. Wirklich sehr hübsch.
Nach einer Zahlstelle, ging es über eine schwimmende Brücke über einen gut 400m breiten Fluss. Das fühlt sich mal komisch an. Die „Brücke“ waren quasi Stahlflosse die zu einer Kette verbunden waren. Es knarzt und schwankt ein wenig und da man keine 20cm über dem Wasser fährt, fühlt sich das sehr ungewohnt an.
Auf dem Migration-Zettel den ich an der Grenze ausfüllen musste, stand zu meiner Überraschung, dass ich mich bei Hotelunterkunft innerhalb eines Tages registrieren muss. Ja Super! Also ich in einem kleineren Hotel gefragt, ob sie die Registrierung machen können? Die meinte, nein. Astrakhan war war wesentlich grösser als ich das erwartet hatte. Das ist eine richtige moderne Grossstadt mit allem drum und dran. Sogar McDonalds (seit Istanbul hab ich glaub keinen mehr gesehen). Es war zwischenzeitlich Nacht und zum einfach rumfahren war viel zu viel Verkehr. Also bin ich einfach zum nahe gelegen Park Inn und hab mich dort nach Zimmern erkundigt. 200USD sind dann doch recht viel. Die Mädels waren aber sehr bemüht. Sie haben dann ein paar andere Hotels angerufen und nach Preisen und meiner Registrierung gefragt. Am Ende war das Victoria Palas die günstigste Kombination. Mit 90USD zwar immer noch kein echtes Schnäppchen, aber dafür ein schönes Hotel. Und wenn schon, denn schon, habe ich da auch Abend gegessen. Bruschetti als Vorspeise und einen Hasen danach und dazu einen Rotwein. Hmmm…