Daily Archives: 29. August 2013

Mein Starex am Limit

Heute haben wir uns auf den Weg nach Jarty Gumbez gemacht. Das ist ein Jagdcamp und es soll dort viele Marco-Polo Schafe geben.
Gleich zu beginn haben wir uns etwas verfahren. Auf der Karte sind halt nicht alle hier verfügbaren Wege verzeichnet. Jedenfalls war da plötzlich der Grenz-Stacheldraht zu Afghanistan. Also schnell wenden und zurück.
An einem Hof haben wir nach dem richtigen Weg gefragt. Der war dann schnell gefunden und gar nicht mal so übel. Links und rechts die vielen Murmeltiere und eine schöne Landschaft. Die ersten 40km waren kein Problem. Aber dann kam eine etwas blöde Flussdurchfahrt. Also Räder feststellen und los und rumps und auf dem rechten Trittbrett aufgesessen. Also zurück, eine andere Stelle suchen. Da es dort aber auch etwas steil war, bin ich mit dem hinteren, bereits etwas verbogenen Rohr hinten aufgesessen und quasi auf der Stossstange noch etwas runter geschrabbt. Jetzt ist das Zierplastig halt auch noch kaputt.
Ein paar hundert Meter weiter mussten wir fest stellen, dass wir in die falsche Richtung fahren. Kurz diskutiert, Karte gekuckt, umgedreht. Zurück am Fluss haben wir aber keine andere Strasse gefunden. Wir beschlossen dann es nochmal zu versuchen und halt etwas weiter zu fahren. Und tatsächlich, der Weg ging dann doch wieder nach Westen den Berg hoch. Teilweise musste ich meinen kleinen in der Untersetzung krabbeln lassen, weil es der erste Gang nicht mehr gepackt hat. Oben, auf 4500m gab es eine herrliche Aussicht über den vor uns liegenden See.
Unten am See haben wir ein anderes Auto getroffen. Das erste und einzige an diesem Tag. Die haben gehalten und wir auch mal. Es waren Tadschiken. Wir haben sie nach dem Weg gefragt, um auf Nummer sicher zu gehen. Die meinten dann was von wegen 4WD und machten so Zeichen, dass es schwierig werden wurde. Und das wurde es.
An jeder der kommenden Bach-/Flussdurchfahrten, dachten wir, dass sie diese gemeint haben mussten, um an der nächsten fest zu stellen, dass die letzte ja ein Kinderspiel war. Und so sass der Kleine dann noch mal unten und noch einmal mit dem linken Trittbrett auf. Aber das war alles noch OK.
An einem Bach war es dann aber fast vorbei. Er war nicht breit und das Wasser auch nicht besonders tief, aber das Ufer links rund rechts war recht steil. Langsam, leicht diagonal taste ich mich rein um dann mit dem linken Eck der Stossstange am anderen Ufer anzustehen. Und so steckte ich dann da. Ehrlich gesagt, ich hatte nicht damit gerechnet, dass ich da rückwärts wieder raus kommen könnte. Aber die Untersetzung ist echt geil. Also etwas zurück und dann noch etwas schräger wieder in den Bach rein gefahren. Und wieder stand ich an. Aber wir mussten durch, denn für zurück hätte das Benzin nicht gereicht. Augen zu und Gas! Es hat gereicht…
Am späten Nachmittag waren wir dann in Jarty Gumbez. Dort haben wir nochmal heisse Quellen gefunden und die waren sauber und richtig schön heiss. Ich war echt froh, dass wir es geschafft hatten.
Dort war auch ein älteres französisches Pärchen mit Fahrer und Guide. Letztere haben wir nach dem Weg über den Fluss und zur „Hauptstrasse“ gefragt. Aber die meinten, es gäbe keine Brücke, sondern nur wiederum eine Furt. Aber das war halt kein Flüsslein, sondern ein Fluss. Fahrer und Guide sind dann mitgekommen um uns zu Zeigen wo es rüber ging. Aber das war echt breit und tief. Also hab ich mir die Hosen ausgezogen und bin mal rein. Die Strömung war ok, aber das Wasser ging mir übers Knie. Da wurde ich dann nervös. Während ich mich wieder anzog hat der Fahrer von den Franzosen sich unter meiner Motorhaube umgesehen. Der Fahrer meinte: „Du bist der Fahrer, es ist Dein Auto. Du musst wissen was Dein Auto kann“. Ja, recht hat er ja, aber woher sollte ich wissen was mein Auto kann, wenn ich es noch nie ausprobiert hatte? Aber er meinte auch, dass es mit seinem Pajero kein Problem sei. Ich war immer noch unsicher und hab gefragt, wo es noch eine andere Möglichkeit gäbe. Es war wohl die Einzigste. Nachdem zurück keine Option war blieb nur die Flucht nach vorn. Untersetzung, erster Gang und ja nicht anhalten. Es ging. Es ging überraschend gut. Interessanterweise kam durch die Türen keine Wasser ins Auto. So konnte ich drüben glücklich und trockenen Fusses aussteigen. Und dann hab ich erst mal eine geraucht. So nervös war ich lange nicht.
Jetzt gibt es dann Kartoffelbrei mit Spiegelei. Hmmmm!

Die heissen Quellen von Shaimak

Gestern sind wir dann weiter nach Shaimak zu den dortigen heissen
Quellen. Unterwegs haben wir noch bei so ein paar 1500 Jahre alten
Gräbern angehalten. Als wir fertig waren kamen zwei vom Militär und
wollten bei uns mitfahren zum Stützpunkt.
Dort haben ihre Kollegen dann unsere Pässe kontrolliert.
Anschliessend sind wir zu den nahen heissen Quellen gefahren. Zur Feier des Tages habe ich eine Dose Zwiebelwurst aus Deutschland jucken lassen. Köstlich!
Katrin hat sich tierisch über die Ungleichbehandlung der Frauen an der Quelle aufgeregt. Während die Männer im „Aussenbecken“ im warmen Wasser diese unglaubliche Landschaft geniessen durften, mussten die Frauen in das nach Schwefel stinkende Badhäusschen. Das ganze ist mitten im Fluss auf einem kleinen Inselchen. Dort blubbert einfach heisses Wasser aus dem Boden. Rund umher hohe, teils Schneebedeckte 5000er. Die Sonne stand tief. Und das ganze wäre perfekt gewesen, wenn da nicht diese Heerscharen von Schnaken gewesen wären. Unerträglich! Im Wasser war das noch einigermassen OK, aber als ich raus musste um mich wieder anzuziehen bekam ich fast Panik. Tausende Schnaken, die nicht weniger wollten als mein Blut. Soviel zu der ungerechten Behandlung der Frauen im Badehaus. Dort gab es wohl keine Mücken.
Ein bisschen weiter gen Westen haben wir uns dann das Nachtlager
gesucht. Schöne Aussicht über den Fluss. Nur war es wie immer recht
kalt. So sind wir normalerweise um 9 mit Mütze und langer Unterwäsche im Schlafsack um die 4-5°C kalten Nächte zu überstehen.
So gegen 10, wir waren schon am Einschlafen, kam ein Motorrad angefahren. Der eine hatte eine Militärjacke an und Maschinengewehr
dabei. Ich hab dann erst mal im Auto das Licht angemacht, damit der uns sehen kann. Nicht dass der erschrickt. Es fühlt sich komisch an wenn man in Unterhosen nem Typen mit Maschinengewehr gegenübersitzt.
Es waren noch zwei Typen dabei. Die Jungs waren von der Grenzkontrolle.
Da wir Touristen sind und offensichtlich weder Taliban noch Drogenschmuggler, war alles OK. Die waren echt nett. Sie haben uns nur verboten weiter nach Süden zu gehen. Die Grenze zu Afghanistan ist halt keine 10 km weg. Da wollen wir ja eh nicht hin.